Rolly Crump

Rolly Crump (* 27. Februar 1930 in Alhambra, Kalifornien; † 12. März 2023 in Carlsbad, Kalifornien) war ein Designer bei den Disney-Studios und Imagineer bei WED Enterprises. Als Imagineer war er unter anderem mit Mary Blair für die Gestaltung der Attraktion it's a small world verantwortlich.[1]
Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
Crump wurde am 27. Februar 1930 in Alhambra als Roland Fargo Crump jr. geboren, benannt nach seinem Vater Roland Fargo Crump, seine Mutter war Candice Elizabeth Ivie.[a 1] Sein Vater war mit einem Filmvorführer befreundet, weshalb Rolly Crump mit drei Jahren zusammen mit seinem Vater „Die drei kleinen Schweinchen“ (1933) aus dem Vorführraum heraus sehen konnten. In einem Interview mit der Los Angeles Times nannte Crump später, dass er sich damals direkt in die Welt Disneys verliebte:[2] „Ich wollte für Disney arbeiten. Ich wollte zeichnen und einfach nur bei Disney sein. Ich wusste nicht einmal, was Animation war. Ich hatte keine Ahnung, und als sie mich einstellten, wusste ich nicht, warum sie mich einstellten. Ich wusste nicht, wo sie mich einsetzen würden. Ich wusste nur, dass ich für Disney arbeiten wollte.“[3]
Während der Weltwirtschaftskrise entwickelte Rolly Crumps Vater ein Alkoholproblem, welches zur Trennung der Eltern führte, als er fünf Jahre alt war. Crump verbrachte seine weitere Kindheit mit seiner Mutter bei seinen Großeltern in Eagle Rock, Kalifornien.[a 1] Seine Großmutter, Fanny Marie Fargo, hatte ebenfalls eine künstlerische Ader, dass Crump also seit dem zweiten Lebensjahr an zeichnete, wurde von seiner Mutter unterstützt.[a 2] Crump pauste als Kind und Teenager von Comicstrips wie „Red Ryder“ und „Prinz Eisenherz“ sowie Comicheften wie „Superman“ und „Batman“ ab, auch die Abenteuerserien im Radio regten seine Fantasie an. Mit 16 Jahren besuchte er das Chouinard Art Institute in Los Angeles, doch nach sechs Samstagen brach er seine einzige professionelle zeichnerische Ausbildung ab und lernte nur noch autodidaktisch. Während der Zeit zeichnete er für verschiedene High-School-Veröffentlichungen und arbeitete Vollzeit als Tellerwäscher, um seine Mutter zu unterstützen.
Nach Beendung der High School fing Crump an, in einer Keramikfabrik zu arbeiten.[a 1] Er heiratete 1949 seine erste Frau, Leona Deiman, mit der er drei Kinder bekam,[4] nämlich Christopher, Roxana und Theresa.[2]
Erste Zeit bei Disney (1952 – 1970)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
Beim Weihnachtsessen 1951 lernte Crump unter den Freundinnen seiner Mutter auch eine Dame kennen, die in der Animation für die Disney-Studios arbeitete. Der Disney-affine Crump erzählte ihr von seiner Leidenschaft und dass er ebenfalls für Disney arbeiten wolle.[a 3] Vorher bewarb sich Crump bereits mit 16 Jahren schriftlich bei den Disney-Studios, unterstützt von seiner Mutter, jedoch erfolglos.[a 1] Die Freundin seiner Mutter gab ihm die Kontaktdaten vom Disney-Studios-Trickfilmzeichner Andy Engman. Crump bat bei seinem Telefonat mit Engman um ein Bewerbungsgespräch und wurde bald darauf eingestellt.[a 3]
Animation (1952 – 1959)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
1952 gab Crump mit 22 Jahren seine Arbeit in der Keramikfabrik auf und begann seine Karriere bei den Disney-Studios, die mit einigen Pausen vierzig Jahre umfassen sollte.[2] Finanziell bedeutete das einen Rückschlag für Crump, der in der Keramikfabrik 75 US-Dollar die Woche verdiente, als Zwischenphasenzeichner bei Disney aber wöchentlich nur 35 Dollar. Crump löste das Problem, indem er an Wochenenden sein Einkommen mit dem Bau von Kanalschächten aufbesserte. Für die zwei Tage Arbeit am Wochenende verdiente er 40 Dollar die Woche, mehr als für die fünf Tage Arbeit bei Disney.
Crump war der letzte Zwischenphasenzeichner, der für „Peter Pan“ (1953) angeheuert wurde. Als Zwischenphasenzeichner zeichnete er jeden zweiten Frame der vorgegebenen Animation, außerdem bereinigte er die Zeichnungen der Trickfilmzeichner.[a 3] Nach „Peter Pan“ arbeitete er an verschiedenen Cartoons und an „Susi und Strolch“ (1955).
Während der Arbeit an „Susi und Strolch“ stieg Crumps Gehalt auf 70 Dollar die Woche, doch mit dem Ende des Filmprojekts sank es auf nur 30 Dollar. Crump sah sich gezwungen, zu kündigen und sich nach einem besser bezahlten Job Ausschau zu halten. Doch als die Disney-Studios Animationen für ihre Fernsehsendungen erstellte, wurden wieder händeringend Animationskünstler gesucht, also konnte Crump als Eric Larsons Assistenz-Animator zurückkehren. Crump arbeitete unter Larson an den Disney-Meisterwerken „Dornröschen“ (1959) und „101 Dalmatiner“ (1961).[5][6] Dabei übernahm er oft mühsame und schwierige Arbeiten wie die Animation der flexiblen Punkte auf den Dalmatinern, an denen er sechs Monate lang arbeitete.[a 3] Neben den Kino-Produktionen arbeitete Crump auch für die Trickfilmzeichner Jack Parr und Bob Carlson an Animationen fürs Fernsehen wie der „I’m No Fool“- und „Encyclopedia“-Reihe für die „Mickey Mouse Club“-Sendung.[b 1] Während seiner Zeit als Assistenz-Animator fand er eine Faszination in Propeller, Mobiles und Skulpturen, mit deren Gestaltung er seine Arbeitspausen verbrachte.[2] Er baute aus Radio-Baukästen kleine Radios in Walnuss-Schalen, mit deren Verkauf er im Studio etwas dazuverdiente. Außerdem war er an den Streichen der Trickfilmzeichner beteiligt und wurde manchmal selbst Opfer davon.[a 3]
Als Imagineer (1959 – 1970)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
Als 1955 das Disneyland Resort in Anaheim eröffnet wurde, arbeitete Crump noch in der Animation. WED Enterprises, die den Park entwarfen, bestand teilweise aus Trickfilmzeichnern und somit Crumps Kollegen. Zusammen mit seiner Ehefrau und seiner Tochter sah er sich damals vor Ort die Eröffnung an.[a 4] Als nach der Eröffnung immer mehr Mitarbeiter für WED Enterprises gesucht wurden, schlug Ward Kimball 1959 Crump vor,[a 3] doch Larson behauptete bei Disneys Anruf, dass Crumps Arbeit für den Zeichentrick zu wichtig wäre. Beim folgenden Treffen gab Disney die Begründung an Kimball weiter, der Larson Lüge strafte. Also wurde Crump direkt gefragt, ob er für WED arbeiten möchte, was er bejahte.[a 5] Crumps Karriere als Imagineer begann.[7]
Bei WED traf Crump das erste Mal Walt Disney persönlich.[a 5] Seinen Spitznamen Rolly bekam Crump von Walt Disney persönlich, der sich Roland Crumps Vornamen nicht merken konnte: „Ich fing als Roland an, dann war ich eine Zeit lang ‚Owen‘ und wurde schließlich zu ‚Orland‘, aber natürlich habe ich auf alles reagiert, wie er mich auch genannt hat. Aber der Gipfel war, als er mich ‚Wie heißt er noch mal?‘ nannte. Schließlich gab er mir den Spitznamen ‚Rolly‘, was ich sehr zu schätzen weiß.“[8] Rolly war nämlich Crumps Spitzname aus Kindertagen, da er denselben Namen wie sein Vater trägt.[a 5]
- Wizard of Oz
Nach kleineren Arbeiten wie der Fertigung von Puppenhänden aus Balsaholz wurde Crump von Projektleiter Claude Coats beauftragt, mit ihm an einer Erweiterung der Attraktion Storybook Land Canal Boats zu arbeiten, bei der man an dem geplanten Big Rock Candy Mountain einen Blick auf Oz (aus dem Buch „Der Zauberer von Oz“) erhaschen kann. Um die Fläche vor der Smaragdstadt zu füllen, wurde er mit dem Bau von Propellern beauftragt, inspiriert von Crumps vorheriger Arbeit. Diese Erweiterung der Attraktion wurde jedoch ebenfalls nie eingebaut. [9][a 5]
Die „Zauberer von Oz“-Segmente sollten das neue Finale der Storybook Land Canal Boats werden. Der Zug Casey Junior würde die Passagiere der Attraktion zum Big Rock Candy Mountain führen, in dessen Inneren verschiedene Orte der Buchreihe dargestellt werden. Als Story wurde geplant, dass Dorothy Geburtstag habe und die Bewohner von Oz sich an den verschiedenen Orten auf die Feier vorbereiten sollten, die dann die letzte Szene bilden würde.
Coats erstellte Charakterbögen für die Erweiterung, welche von Joe Rinaldi in 22 Modelle umgesetzt wurden. Der Big Rock Candy Mountain bestand aus Süßigkeiten, welche Harriet Burns und Jack Ferges auf das Modell klebten. Neben den Propellern arbeitete Crump an einigen Modellen des Projekts, bevor es abgebrochen wurde.[b 2]
- Babes in Toyland
Für das Filmprojekt „Babes in Toyland“ (1961) erstellte Crump auf Bitten Disneys Blumen mit Propeller-Armen für das Filmset, außerdem baute er ein Mobile aus Muscheln für den Film. Da Crump als WED-Angestellter eigentlich nicht an Spielfilmen arbeiten durfte, musste sein Mitwirken vor der Gewerkschaft verheimlicht werden.[a 5]
- Haunted Mansion

Crump zeigt Reihm Exponate für das geplante Museum of the Weird: „Just the weirdest things we could find.“ (© Disney)
Walt Disney beschloss 1959, dass Rolly Crump und Yale Gracey als nächstes zusammen am Konzept für das Haunted Mansion arbeiten sollten. Disney ermöglichte den beiden, ohne Druck an ihren Ideen zu arbeiten, was zu vielen kreativen Ideen führte, die aber nur teilweise umgesetzt werden konnten. Als Teil der Recherche sahen sie den William-Castle-Film „Das unheimliche Erbe“ (13 Ghosts, 1960) im Kino und bauten Monster, Geister aus Seidentüchern und aufspringende Totenköpfe. Sie recherchierten magische tricks und Effekte wie Pepper's ghost. Sie projizierten Filme auf Büsten und ein Modell des „stretching room“.[a 6] Gracey arbeitete an der Mechanik des Raums und Crump an den Bildern, bis Marc Davis ihm die Aufgabe abnahm, damit die Bilder besser aussehen.[5] Eigentlich sollten sie mit Roger Broggie der MAPO-Abteilung (Manufacturing and Production Organization) an Audio-Animatronic-Figuren für die Attraktion arbeiten, doch stattdessen übernahm Bob Mattey die Spezialeffekte.[a 6] Manche Effekte wurden eher zufällig entdeckt. Wegen der Arbeit an der Hall of Presidents gab es bei WED einen Abdruck von Lincolns Gesicht. Als Crump und Gracey an dem Abdruck vorbeigingen, bemerkten sie, dass es in einem bestimmten Winkel so wirkt, als würde das Gesicht ihnen nachsehen.[10]
Die Attraktion war zuerst als begehbare Attraktion statt als Themenfahrt (dark ride) geplant.[5] Als Story für das Haunted Mansion war geplant, dass es einem alten Seekapitän gehörte, welcher seine Frau ermordete und dann auf dem Meer umkam. Nun spukten beide in ihrem ehemaligen Haus. Damit in einem Raum der Kapitän und seine Frau als Geist auftauchen, musste man mehrere Minuten im Raum verbringen. Doch als Walt Disney befürchtete, dass Besucher sich dann in der Attraktion verirren könnten oder nicht lange genug in bestimmte Räume bleiben, wurden andere Methoden überlegt, die Besucher zu führen. Ein Licht könne die Besucher führen, oder ein geisterhafter Guide. Walt Disney verstarb, bevor die Arbeit an der Attraktion beendet wurde, wodurch es zu Änderungen kam, sowohl an der Story als auch daran, dass aus der begehbaren Attraktion eine Themenfahrt gemacht wurde. Durch diese Änderungen wurden ungefähr 25 Prozent der Ideen für die Attraktion unmöglich umsetzbar.[a 6] Das Konzept des mordenden Piratenkapitäns lebte als Captain Gore weiter, der in verschiedenen Disney-Werken verwendet und referiert wird.[11] Crumps Beteiligung an der Konzeption pausierte 1961,[a 7] als er stattdessen für andere Projekte eingesetzt wurde. Bis dahin hatte er während der Entwicklung der Attraktion über hundert Illustrationen angefertigt und zahlreiche Modelle der Attraktion konstruiert.[a 7]
Während der Weltausstellung in New York 1964 konnte sich Crump wieder dem Haunted Mansion widmen, wobei eine weitere Pause 1965 bis 1966 erfolgte, als it's a small world in Disneyland errichtet wurde und eine von Crump gestaltete Fassade bekam.[a 7] Die Fassade der Attraktion stand zu dem Zeitpunkt bereits.[12] Crump bemerkte nach seiner langen pause, dass er die Attraktion bisher wie ein klassisches Gruselhaus konzipierte und es auf alten Klischees basiert. Stattdessen ließ er sich nun von den Filmen „Es war einmal“ (Beauty and the Beast, 1946) und „Julia und die Geister“ (Juliet of the Spirits, 1965) inspirieren, surreale Werke zu erstellen.[a 8] Crump entwarf einen sprechenden Stuhl, einen Kessel im Kamin, verrückte Banner und einen schmelzenden Kerzenmann.[5] Einige der Zeichnungen wurden von Jack Ferges als Modelle umgesetzt. Doch die Arbeit am Haunted Mansion ging weiter. Als Dick Irvine Walt Disney die Attraktion präsentierte, schob er Crumps Konzepte beiseite. Nach der Präsentation bemerkte Disney, dass Crumps Modelle sich nicht in das bisherige Haunted-Mansion-Konzept einfügen. Einen Tag später beschloss Disney, Crumps Ideen als Museum of the Weird umzusetzen, welches am Ende der Attraktion auf die Besucher wartet. Die Idee und Modelle wurden auch in der „Walt Disney’s Wonderful World of Color“-Folge „Disneyland 10th Anniversary“ präsentiert.[a 8][13] In der Sendung erzählt Crump der Disneyland-Botschafterin Julie Reihm, dass diese seltsamen Modelle aus der ganzen Welt gesammelt wurden.[14] Doch Disneys Tod im Dezember 1966 sorgte für Änderungen in der Planung des Haunted Mansion, das Museum of the Weird wurde komplett gestrichen.[a 8][5] Die Eröffnung der Attraktion fand 1969 statt.[12]
- Adventureland Bazaar
Nachdem 1961 WED von den Walt Disney Studio-Gelände in ein kleineres Gebäude auf der Senora-Street in Glendale umzog, bekam Crump von Dick Irvine die Chance, sich als Art Director zu probieren. Dazu bekam er die Ausgabe, einen Laden in Disneylands Adventureland zu renovieren, den Adventureland Bazaar. Der Bazaar war zu dem Zeitpunkt seit der Eröffnung ein düsterer Laden ohne festes Konzept, welches kaum Kundschaft bekam.[a 9] Crump bekam ein Budget von 38.000 Dollar sowie eine Frist von sechs Wochen, um den Laden umzugestalten.[b 3] Crump ließ sich von Jack Olson beraten, der ihm empfahl, Geld zu sparen, indem er sich auf dem boneyard (Friedhof) umschaut. Der boneyard war der Ort, wo abgenutzte oder kaputte Elemente vom WED gelagert werden, nachdem diese durch neue ersetzt wurden.[a 9] Crump ließ er den Laden durch Spiegel an den Wänden größer wirken, nutzte alte Ticketschalter aus dem boneyard als Kassen sowie Säulen aus dem abgerissenen Restaurant Chicken Plantation, andere Dinge kaufte er oder baute sie selbst.[b 3] Die Deadline, die Irvine Crump gab, war eine Woche früher als die eigentliche Deadline, doch zu Irvines Überraschung schaffte es Crump bereits zur vorgezogenen Deadline, die Inneneinrichtung fertigzustellen. Als die Renovierung abgeschlossen war, zeigte Walt Disney seiner Frau Lillian den fertigen Bazaar, wobei Crump sie das erste Mal kennenlernte.[a 9]
- Enchanted Tiki Room
Ursprünglich plante Walt Disney einen Teeraum auf der Main Street, wo Besucher sich beim Essen eine kleine Show ansehen können. Die Idee wuchs heran und wandelte sich langsam in einen Tiki-Raum, der sich statt auf der Main Street in Adventureland befinden soll. Bei einer der WED-Treffen zeigte Art Director John Hench seine Skizzen für den Raum, auf der lauter Vögel in Käfigen über den Gästen zwitscherten. Disney war dagegen, die Vögel würden Kot auf die Besucher ausscheiden. Hench erwiderte, dass es keine echten Vögel wären, sondern ausgestopfte. Disney wollte aber keine toten Tiere zur Dekoration in seinem Restaurant, also einigten sie sich darauf, dass es mechanische Vögel werden, die sich zu zwitschern.[a 10][b 4]
Während des Treffens beauftragte Disney Crump mit der Gestaltung der Tikis, welche Geschichten erzählen sollen. Hilflos wandte sich Crump an Hench, der als erstes Recherchen in der Studio-Bibliothek empfahl.[a 10] Crump tat wie empfohlen und recherchierte wochenlang anhand des Buchs „Voices on the wind. Polynesian myths and chants“ von Katharine Luomala Mythen und Legenden der Pazifik-Inseln.[5][b 5] Crump fertigte Modelle der Tiki-Götter, darunter die Feuergöttin Pele, die Herrin des Regens Hina Kaluua,[5] sowie eine weitere Tiki-Figur, die regelmäßig Wasser aus einem Bambusstab spuckt und auf keinem Gott basierte. Als Gott die Figuren besichtigte, fragte er, was für ein Gott diese Tiki-Figur darstelle. Crump verstummte und Hench improvisierte, wodurch die Figur zum Gott der Zeit ernannt wurde. Als Disney ging, bat der nervöse Hench Crump, bis zum nächsten Treffen unbedingt den Namen des Gottes der Zeit zu recherchieren. Crump tat wie geheißen und die vorher namenlose Tiki-Figur wurde zu Maui. Als er die Modelle an Blaine Gibson weitergab, damit dieser sie aus Kunststoff-Modelliermasse herstellt. Doch Gibson hatte keine Zeit, also brachte er Crump das nötigste bei, damit dieser die Figuren alleine umsetzen kann. Crump tat wie geheißen und modellierte die Tikis auf dem Firmenparkplatz[a 10] mit einer Plastikgabel.[3] Mit Abdrücken der Kunststoffmodelle wurden die Tikis aus Glasfaser gegossen und mussten bemalt werden, erneut von Crump.[a 10]
Als er mit den Tiki-Figuren fertig war, beauftragte Disney Crump noch mit einem Mobile voller Vögel, welches in der Raummitte während der Show heruntergelassen wird. Crump kleidete die künstlichen Vögel wie Showgirls und installierte das Mobile selbst. Ganz zum Schluss wurde entschiede, aus dem Restaurant doch lieber eine Attraktion zu machen, und die erste Attraktion, die komplett aus Audio-Animatronics besteht, war fertig.[a 10][b 6] Im Juni 1963 wurde sie eröffnet.[b 4]
- New Yorker Weltausstellung 1964 bis 1965
Für die New Yorker Weltausstellung 1964 bis 1965 waren drei Pavillons als Kooperation der Disney-Studios und externen Geldgebern geplant: Der Ford-Pavillon mit Ford's Magic Skyway, der General-Electric-Pavillon mit dem Carousel of Progress und der Illinois-Pavillon mit Great Moments with Mr. Lincoln.[a 11] Crump zeichnete Konzeptzeichnungen, um die Audio-Animatronic-Vögel des Enchanted Tiki Rooms auch in New York zu repräsentieren, doch Disney beauftragte nach Sichtung der Zeichnungen lieber Marc Davis mit dem Design, der nicht nur wiedererkennbare Figuren schaffen kann, sondern auch etwas Humor einarbeitet.[b 6][b 4] Crump arbeitete zudem an Ford's Magic Skyway, indem er unter anderem ein mechanisches Orchester aus Ford-Autoteilen erstellte. Doch zur Überraschung seiner WED-Mitarbeiter gab Walt Disney einen weiteren Pavillon in Auftrag, gesponsort von Pepsi-Cola, in dem eine Wasser-Attraktion UNICEF ehrt. Der Ride sollte später zu it's a small world werden. Um für die Attraktion zu werben, orderte Disney bei Crump einen Turm, der aus Mobiles besteht, den Tower of Four Winds.[a 11]
Wunsch und Beauftragter kommen nicht von ungefähr, Disney sah bereits Crumps Mobiles und Propeller.
Als Crump noch zusammen mit anderen Kollegen in den Animations-Büros arbeitete, brachte Frank Armitage ein selbstgebautes Mobile mit. Fasziniert davon, wie das zerbrechliche Objekt sich beim Drehen nicht an den eigenen Elementen stößt, informierte sich Crump über Bildhauer Alexander Calder und der Konstruktion von Mobiles, womit ein neues Hobby begann. Sein Arbeitsplatz und sein Heim waren bald voller Mobiles. Ein anderer Kollege, Wathel Rogers, weckte Crumps Interesse an Propellern, indem er aus dem metallenen Radiergummi-Aufsatz eines Bleistifts einen Propeller bastelte. Als mehrere Zeichner kleine Propeller bastelten, die auf ihrem Schwerpunkt balancieren und vom Wind der Klimaanlage gedreht werden konnten, bildete sich ein kleiner Wettstreit zwischen den Kollegen. Schließlich kombinierte Crump die beiden Techniken der Mobiles und Propeller in seinen kleinen Modellen. Als Crump eine Ausstellung seiner Modelle in der Bibliothek der Studios aufbaute, fanden diese auch die Aufmerksamkeit von Walt Disney selbst.[a 3]
Jahre später beauftragte Disney Crump mit der Konstruktion des Turms. Er baute Bogen in den Turm und sorgte dafür, dass er voller beweglicher Teile ist.[a 11] Der modernistische Turm bestand aus einer Reihe von miteinander verflochtenen und sich überlappenden Mobiles mit einer flammenden Sonne in der Mitte. Das Modell fand Disneys Segen und wurde von einer Konstruktionsfirma umgesetzt und aufgebaut. Dabei mussten aber Änderungen durchgeführt werden, damit der Bau den Wetterbedingungen standhalten kann. Die Rohre wurden zum Beispiel doppelt so dick. Als Crump und Disney sich den fertigen Bau ansahen, war Crump enttäuscht vom Ergebnis.[5]
Währenddessen bat Dick Irvine Marc Davis um eine Skizze, wie er sich die Attraktion im Pavillon-Inneren vorstelle. Als Davis die Skizze Disney präsentierte, fragte Disney stattdessen, was Mary Blair gerade mache.[a 11] Blair arbeitete Jahre zuvor bei Disney als Art Director von „Drei Caballeros im Sambafieber“ (1943) und „Drei Caballeros“ (1944), in den Jahren darauf arbeitete sie unter anderem an „Onkel Remus’ Wunderland“ (1946), „Make Mine Music“ (1946), „Musik, Tanz und Rhythmus“ (1948), „Ein Champion zum Verlieben“ (1949) sowie „Die Abenteuer von Ichabod und Taddäus Kröte“ (1949). Ihr Concept Art und ihr Umgang mit Farben zeichneten sie besonders aus, was großen Einfluss auf die Filme „Cinderella“ (1950), „Alice im Wunderland“ (1951) und „Peter Pan“ (1953) hatte. Nach „Peter Pan“ verließ sie die Disney-Studios,[15] Anfang der 1960er Jahre zeichnete sie Kinderbuch-Illustrationen für Golden Books. Als Irvine sie anrief, ob sie Interesse am Projekt habe, sagte sie zu.[a 11]
Crump bewunderte die kreative Blair schon, bevor er in den Studios arbeitet, und war froh darüber, mit ihr zu arbeiten. Zusammen mit Davis zeichnete sie neben den Figuren der Kinder auch etliche Spielsachen, welche Crump zusammen mit Kollegen umsetzte. Es wurden über 200 Spielsachen aus Styroform und Pappmaché von etwa dreißig Mitarbeitern erstellt. Als Tribut an Blair selbst wurde eine Figur mit kurzem, blonden Haar in Blairs Kleidung der Attraktion hinzugefügt. Heute ist sie in der Attraktion auf dem Eiffelturm zu sehen. Für die authentischen Kostüme der Figuren war Alice Davis verantwortlich. Da Blair Schwierigkeiten hatte, ihre Zeichnungen dreidimensional darzustellen, übernahmen dies die restlichen Imagineers.[a 11] Für Crump war es wichtig, Blairs Vision der Attraktion in die Realität zu übertragen: „Ich hatte Marys Skizzen in einem Buch und gab sie dem Modellbau-Shop. Ich sagte: „Was auch immer Sie entwerfen, stellen Sie sicher, dass es wie diese Zeichnungen aussieht.“ Ich wurde mit der Aufsicht über ‚it's a small world‘ beauftragt. Ich wusste, dass es nur funktionieren würde, wenn alles wie Mary Blair aussah. Für mich war es eine Mary-Blair-Attraktion. Also machten wir uns an die Arbeit. Der Rest ist Geschichte.“[5] 250 Dollar an Glitter sorgten bei den Figuren für das gewisse Etwas. Binnen neun Monate war die Attraktion bereit für die Weltausstellung.[a 11] Die Disney-Attraktionen der Weltausstellung war ein gewaltiger Erfolg, 91 Prozent der Besucher waren auf mindestens einer der vier Disney-Attraktionen.[b 7] Dabei kostete it's a small world anders als die anderen drei Disney-Attraktionen den Besuchern Eintritt.[b 8]

Als die Weltausstellung 1965 zu Ende war, wollte Disney die Attraktionen nach Disneyland bringen. Crump wurde beauftragt, den Transport von it's a small world zum Park zu betreuen. Den Tower of the Four Winds entsorgte er mit der Erlaubnis Disneys im Meer. Für den Wiederaufbau von it's a small world gestaltete Blair auf Bitten Crumps eine Fassade, die das Design von Bauklötzen haben sollte. Die Entwürfe überzeugten Disney nicht, also bat Crump den Supervising Art Director Dick Irvine, ihm die Gestaltung der Fassade zu überlassen. Mit der Hilfe von Fred Joerger baute Crump binnen sieben Tage ein Modell aus Karton im Stil der Blair-Bauklötze. Die Uhr wurde von Blair gestaltet und von Crump umgesetzt, sodass kleine Figuren zu bestimmten Zeiten hervorkamen.[a 11] Irvine wollte nach dem Blick auf Crumps SKizze der Uhr deren Design an einen anderen Imagineer weitergeben, doch Disney gefiel die Uhr.[5] Das Modell wurde abgenommen, als nächstes wandte sich Crump an die Wartungsabteilung, um sich Tipps für die Umsetzung der Fassade zu holen, wo ihm davon abgeraten wurde, Farbe zu verwenden, da diese schnell verblasst. Also verwendete er 1966als Kontrast zur weißen Fassade Blattgold. „Während der Installation haben wir so viel davon verbraucht, dass wir das gesamte in den USA verfügbare Blattgold aufgebraucht haben! Wir mussten welches aus Deutschland besorgen, um die Arbeit zu beenden. Leider hat sich das deutsche Blattgold aus irgendeinem Grund nach einigen Monaten dort angelaufen. Glücklicherweise hatte die USA bis dahin ihren Vorrat wieder aufgefüllt, sodass wir es ersetzen konnten.“[a 11]
- Tomorrowland

Nachdem Crump am Museum of the Weird arbeitete, wurde er von Disney zu Dick Irvine Projekt versetzt, dem Re-Design von Tomorrowland. Tomorrowland war der Teil Disneylands, der sich der Zukunft verschrieben hat und deshalb im Lauf der Jahre immer wieder erneuert werden musste. Crump wurde mit der Gestaltung des Musikpavillons Tomorrowland bandstand inklusive des Aufzugs beauftragt, welche später zur Tomorrowland Terrace umbenannt wurden, außerdem gestaltete sie neue Ticketschalter, die zwei Läden Mickey's Mart, welcher Plüschfiguren verkauft, und Mad Hatter, außerdem diverse Skulpturen und Blumenbeete. Für die Gestaltung der Läden arbeitete Crump wieder mit Jack Olson zusammen und gestaltete Mickey's Mart schwarzweiß und futuristisch, um einen Kontrast zu den bunten Waren zu bieten. Das Re-Design endete 1967, im Jahr nach dem Tod von Walt Disney.[a 12][a 7]
Crump erfuhr am 16. Dezember 1966 von John Hench, dass Disney verstorben ist. Hench sagte ihm: „Jetzt werden wir erkennen, wie viel unserer Arbeit tatsächlich von Walt geleistet wurde.“[a 13]
- Disneyland
1967 bis 1969 arbeitete Crump als Leitender Art Director von Disneyland. In seiner Autobiografie „It's kind of a cute story“ vermutet Crump, dass Dick Irvine ihn nur zum Leitenden Art Director beförderte, damit Irvine sich nicht mehr mit ihm herumärgern müsse. Den Job als Leitenden Art Director beschrieb Crump ebenfalls: „Das bedeutete im Grunde genommen, dass es meine Aufgabe war, die Tapete auszuwählen, wenn in einem der Gebäude die Tapete gewechselt wurde. Wenn die Farbe eines der Gebäude geändert werden sollte, war es meine Aufgabe, die Farbe auszuwählen. Wenn ein Bordstein entfernt werden sollte, musste ich vor Ort sein, um sicherzustellen, dass die Bordsteine auch tatsächlich entfernt wurden.“[a 14] Er war somit als Designbeauftragter hauptverantwortlich für alle Neubauten und Sanierungsmaßnahmen im Park, was Außen- und Innenbereiche, Showdesign, Requisiten, Kostüme usw. für alle Bereiche und Einrichtungen innerhalb des Parks umfasste.[a 7]
1967 eröffnete die Attraktion Pirates of the Caribbean, für die Marc Davis und Blaine Gibson Piraten und andere Menschen als Audio-Animatronic-Figuren umsetzten. Das Aussehen des Auktionators, so Gibson zu Jim Korkis, basiere auf einem Imagineer-Kollegen. Korkis vermutete, dass das Aussehen an Rolly Crump angelehnt wurde.[b 9]
- Disney on Parade
In den späten 1960er Jahren plante Head of Entertainment Bob Jani erstmals eine Disney-Wandershow, aber anders als der damalige Trend keine Eis-Show (siehe Disney on Ice seit 1981), sondern als Tournee-Arenashow. Jani stellte ein Team zusammen, welches die Wandershow konzipieren soll, welches unter anderem aus Roy Williams und Crump bestand. Crump übernahm neben der Entwicklung der Story auch die Kulissen, Requisiten und Hintergründe. Jani wollte eine erheblich größere Show, als sie mit den sechs zur Verfügung gestellten LKWs möglich wäre, auch diese Show wurde durch den Sponsoren NBC und den beiden Produzenten von NBC Bob Finkel und Jackie Cooper, die Jani ersetzten, vollkommen umgestaltet.[a 7][a 15] Um auf Wunsch der beiden Produzenten die Bühne nach Eis aussehen zu lassen, obwohl die Show nicht auf Eis stattfindet, arbeiteten Crump und viele Kollegen von WED übers Wochenende daran, die Bühne mit Farbe wie Eis aussehen zu lassen.[a 15] Die entstandene Show lief erfolgreich von Dezember 1969 bis 1977.[16]
- Walt Disney World
Mit dem Bau von Walt Disney World sollten auch einige der Themenfahrt-Attraktionen von Disneyland von Anaheim nach Florida kopiert werden.[a 16] Dick Irvine beauftragte Crump mit dem Projektdesign der Attraktionen. Die Attraktion it's a small world wurde für Walt Disney World umgestaltet.[a 7] Dick Nunis wünschte beim Bau der Florida-Version von Mr. Toad’s Wild Ride, dass dieses zweimal gebaut werde, um lange Schlangen zu vermeiden. Crump konzipierte eine Teilung innerhalb der Attraktion in die zwei Strecken, welche sich in der Story voneinander unterschieden. Crump konzipierte auch eine Alice im Wunderland-Attraktion, welche die drehenden Teetassen von Disneyland mit einer Themenfahrt kombiniert, doch die Idee wurde abgelehnt. Laut Crump ähnele die 1994er Disneyland-Attraktion Roger Rabbit's Car Toon Spin seinem Konzept der Alice-Attraktion.[a 16] Crump gestaltete auch die Inneneinrichtung des Magic Shops auf der Main Street.[a 7] Nachdem Crump seine Projekte in Walt Disney World abschloss, kehrte er dem Disney-Konzern den Rücken zu und machte sich selbstständig.[a 16]
Selbstständig (1970 – 1973)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
1970 verließ Crump die Disney-Studios, um seine eigene Design-Firma zu gründen. Als Präsident der Firma Design 27 arbeitete er gestalterisch an verschiedenen architektonischen Projekten, unter anderem für Frank La Coke beim Design eines Einkaufszentrums in Dallas, für Dean & Dean bei der Gestaltung einer Einkaufs-Promenade in Half Moon Bay, San Francisco, für Anheuser-Busch eine Schwarzlicht-Attraktion in der Busch-Garden-Fabrik sowie für Astroworld diverse Attraktionen.[a 7][a 17]
Verschiedene Projekte (1973 – 1976)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
Crump arbeitete noch bei seiner Firma Design 27, als er 1973 bis 1974 für die Ringling Brothers & Barnum and Bailey Circus den Vergnügungspark Circus World in Florida gestaltete.[2][a 7] Irvin Feld, der Präsident von Ringling Brothers & Barnum and Bailey Circus, bot Crump und seinen sechs Mitarbeitern das doppelte Gehalt an, wenn sie nach Florida ziehen, um weiter an dem Projekt zu arbeiten, also ging Crump auf das Angebot ein und löste seine Firma auf. Doch leider sprangen die Sponsoren des Parks ab, sodass das Projekt abgebrochen werden musste und Crump und seine Mitarbeiter wieder nach Kalifornien zogen.[a 18]
Von 1974 bis 1975 arbeitete Crump an der Themenfahrt-Attraktion Knott's Bear-y Tales für die Knott's Berry Farm in Buena Park, Kalifornien.[2][a 7] Dabei arbeitete er mit Thommy O'Neill zusammen, der in den 1960er bis 1970er Jahren die mechanischen Schaufenster-Figuren in Disneyland baute und programmierte.[a 19]
Weitere Projekte, an denen Crump arbeitete, waren 1974 Wet 'n Wild, 1974 der nie ungesetzte Vergnügungspark Fabuland, 1974 bis 1975 das ABC Wildlife Preserve in Maryland, 1975 einen Gebäudekomplex für Silver Springs, eine Renovierung für Seven Seas, ein Museum für Kahuku Sugar Mill, 1976 bis 1977 das Design ein nie umgesetztes Gästehaus für Welch Foods sowie ein Logo-Redesign für Golden Nugget und die Planung eines Vergnügungsparks bei Kahe Point.[a 7][a 20]
Zweite Zeit bei Disney (1976 – 1981)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
1976 kehrte Crump als beratender Designer zu WED zurück.[a 7] Über die Anziehungskraft von Disneyland sagte er in Jeff Kurtis Buch „Walt Disney’s Imagineering Legends“: „Ich glaube, das Geheimnis von Disneyland liegt darin, dass es so viele verschiedene Designer gibt, dass es zu einem wunderbaren Schmelztiegel verschiedener Stile geworden ist. Wenn man sich diese Gruppe innerhalb von WED und in Disneyland wirklich ansieht, erkennt man ein unglaubliches Team. Walt schien zu wissen, wie man die richtigen Leute zusammenbringt.“[5]
- Consultant Designer
Von 1976 bis 1977 arbeitete Crump bei WED als Art Director für die 45-Millionen-Dollar Erweiterung von Disneyland.[a 7]
- Art Director
1977 wechselte er Vollzeit zum Epcot-Projekt, womit er bis 1981 beauftragt war.[a 7]
Jim Hench arbeitete bereits drei Jahre am Masterplan für Disney World, als Marty Sklar Crump bat, einen Entwurf für EPCOT abzuliefern. Zu dem Zeitpunkt war bereits klar, dass Walt Disneys Pläne einer Zukunftsstadt auch nach seinem Tod nicht umsetzbar sind, weshalb die Imagineers versuchten, etwas Originelles zu erstellen. Crump entwarf Inseln mit verschiedenen Länderthemen im World Showcase, durfte danach aber nicht mehr am Masterplan von Epcot arbeiten.[a 21]
Crump entwarf ursprünglich den Life and Health Pavillon, wo er mit Dr. Charles Lewis Wege entwarf, den Besuchern das gesunde Leben näherzubringen. Dabei konzentrierten sie sich auf die acht gesunden Gewohnheiten (eight health habits), auf die sich die Wissenschaftler der Zeit geeinigt hatten: körperlich aktiv sein, frei von Opioidabhängigkeit sein, nicht rauchen, Stress bewältigen, sich gut ernähren, nicht regelmäßig exzessiv Alkohol konsumieren, eine gute Schlafhygiene haben und positive soziale Beziehungen pflegen.[17] Zentrum des Pavillion sollte die Attraktion Great Midway of Life werden. Crump entwarf weitere Attraktionen, doch konnte er die Sponsoren nicht überzeugen. Dort, wo der Life and Health Pavillon geplant war, steht heute der 1989 eröffnete Wonders of Life Pavillon.[a 21][18]
- „If it's a ton of fun, and an ounce of information, you'll reach the teachable moment.[a 21]“
„Wenn es eine Menge Spaß und ein bisschen Information ist, dann erreichen Sie den lehrreichen Moment.“– Dr. Charles Lewis
Crump gestaltete auch den The Land Pavillon, der von der Kraft Foods Group gesponsert wurde. Die Idee zum Pavillon stammt von Claude Coats, beraten über Pflanzen und Erde wurden die Imagineers von Carl Hodges. Die Pflanzen, die im Pavillon dank Hydrokultur ohne Erde wuchsen, wurden dabei anfangs kontrovers diskutiert. Crump gestaltete dabei unter anderem die musikalische Attraktion Kitchen Kabaret sowie das Restaurant Electronic Umbrella.[a 21][18]
Verschiedene Projekte (1981 – 1992)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
Nachdem 1981 Crumps Beteiligung am Epcot-Projekt beendet war, da Epcot 1982 eröffnet wurde, arbeitete er wieder selbstständig an einigen Projekten, darunter 1981 bis 1982 an einer Vogel-Attraktion für Atlandia Design & Furbishing[a 20] sowie 1982 bis 1983 am Ocean Center Pavillon fpr The Cousteau Society.[a 22] 1983 gründete er die Mariposa Design Group, als deren Chef er 1983 bis 1987 diverse Kunden betreute und unter anderem eine Attraktion über die Geschichte von Oman gestaltete.[a 23] Nach der Auflösung seiner Firma arbeitete er noch 1988 bis 1989 für die Firma Cinematix sowie 1989 bis 1990 für Mecca.[a 24][2]
1988 begann Crumps Sohn Chris Crump, wie sein Vater für Walt Disney Imagineering zu arbeiten.[19]
Dritte Zeit bei Disney (1992 – 1996)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
Von 1992 bis zu seinem Ruhestand 1996 arbeitete Crump als Executive Designer bei WED bzw. Walt Disney Imagineering. Zwischendurch arbeitete er als Supervising Art Director für Epcot, wo er unter anderem den The Land Pavillon teilweise neu gestaltete, Kitchen Kabaret mit Food Rocks ersetzt und CommuniCore mit Innoventions ersetzte.[a 7][18]
Ruhestand (1996 – 2023)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
1996 ging Crump in den Ruhestand.[7] Crump nutzte die Zeit zum Malen. Am letzten Tag seiner Ausstellung mit Bildern zu Josephine Baker lernte er seine zweite Ehefrau kennen, Marie Tocci. Weitere Bilderreihen und Ausstellungen behandelten den Day of the Dead und Bilder im japanischen Stil.[a 25][4]
2004 wurde Crump zusammen mit anderen Imagineers zu Disney Legends ernannt.[7] In seiner Autobiografie beschreibt er, dass er es gar nicht glauben wollte, als er die Einladung dazu bekam. Er wollte nicht hingehen, doch sein Sohn konnte ihn letzten Endes überreden. Später beschrieb er es als einen der besten Momente seines Lebens, den Preis entgegegenzunehmen.[a 26]
Am 29. April 2009 wurde ihm ein Fenster der Main Street gewidmet, eine Tradition, welche Walt Disney bereits 1955 begann. Crump wurde auf dem Fenster zum Namensgeber und Assistenten von „Fargo's Palm Parlor“, einem Geschäft, dessen „Designs zum Sterben“ und dessen „Vorhersagen […] Sie verfolgen werden“. Die Ehrung wurde geleitet von Walt-Disney-Imagineering-Botschafter Marty Sklar und Disneyland-Resort-Präsident Ed Grier.[8]
- „Rolly had a special relationship with Walt, who appreciated his risk-taking with ideas. His very personal, sometimes outrageous, art and design style continues to flow and the many collectors of his art, including me, continue to be inspired by his talent and his sense of humor. It’s a great privilege for me to help honor Roland Fargo Crump.[8]“
„Rolly hatte eine besondere Beziehung zu Walt, der seine Risikobereitschaft bei Ideen schätzte. Sein sehr persönlicher, manchmal ausgefallener Kunst- und Designstil lebt weiter, und die vielen Sammler seiner Kunst, darunter auch ich, lassen sich weiterhin von seinem Talent und seinem Sinn für Humor inspirieren. Es ist mir eine große Ehre, Roland Fargo Crump zu würdigen.“– Marty Sklar
Auf dem Fenster sind Abbildungen von drei Werken, die Crump konstruierte, der Tower of the Four Winds, Maui aus dem Enchanted Tiki Room und die coffin clock, die für das Musuem of the Weird erstellt wurde.[20]
Der Main-Street-Laden, der Crump gewidmet wurde, war vorher zur Eröffnung Disneylands 1955 der „Intimate Apparel Shop“ vom Wäschehersteller Hollywood-Maxwell, in dem man die damals aktuellste Mode kaufen konnte sowie sich vom „Wizard of Bras“ über die Geschichte der Unterwäsche in den USA unterrichten lassen konnte. Der „Intimate Apparel Shop“ blieb nur bis 1956, seitdem wurde der Ladeninnenraum vom Porzellanladen „China Closet“ nebenan beansprucht. Auch 2009 mit der Umbenennung des Ladens als „Fargo's Palm Parlor“ bleibt die Türe verschlossen, da der Porzellanladen weiterhin den Innenraum beansprucht.[21]

2012 erschien Crumps Autobiografie „It’s Kind of a Cute Story“, die er zusammen mit Jeff Heimbuch verfasste.[2] Dazu überarbeitete Heimbuch hunderte Stunden an Interviews mit Crump, um diese zu überprüfen, illustrieren und in Kapitel einzuteilen.[22]
2014 erschien der Comic „Disney Kingdoms: Seekers of the Weird“, welcher auf seinen Entwürfen zum nie umgesetzten Museum of the Weird basiert. Einer der Figuren des Comics wurden nach ihm benannt (Onkel Roland), außerdem ist eine Statue von Crump im Comic zu sehen.
Rolly Crump verstarb am 12. März 2023 im Alter von 93 Jahren in seinem eigenem Haus in Carlsbad, Kalifornien. Er hinterließ unter anderem seine zweite Gattin Marie, seine Kinder Christopher, Roxana und Theresa sowie drei Enkelkinder.[2]
Der 2023er Film „Geistervilla“ wurde Crump gewidmet. Alistair Crump, einer der Figuren, wurde auch nach ihm benannt. Weitere Figuren wurden nach Marc Davis und Yale Gracey benannt.
2024 wurde Crump in einer Büste auf der Disney Cruise Line Disney Treasure geehrt. Eine etwas schmelzende Büste zeigt den jungen Crump mit seinem charakteristischen Bürstenschnitt verschmitzt lächelnd, darunter die reimende Aufschrift „Brother Roland: Forever Revered For Embracing The Weird“ (sinngemäß „Bruder Roland: Für immer verehrt, weil er das Seltsame begehrt“).[23]
Filmografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
Hinter der Kamera[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
- Als Zwischenphasenzeichner
- Peter Pan (1953)
- Ben und ich (1953)
- Alles für die Nuss (Working for Peanuts, 1953)
- Donalds Tagebuch (Donald's Diary, 1954)
- Casey Bats Again (1954)
- Das Grand-Canyon-Skop (Grand Canyonscope, 1954)
- Susi und Strolch (Lady and the Tramp, 1955)
- Als Assistenz-Animator
- I’m No Fool[b 1]
- Encyclopedia[b 1]
- Dornröschen (Sleeping Beauty, 1959)
- Goliath II (1960)
- 101 Dalmatiner (One Hundred and One Dalmatians, 1961)
Vor der Kamera[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
- Disneyland Goes to the World's Fair (Staffel 10 Folge 27, 1964)
- Disneyland 10th Anniversary (Staffel 11 Folge 14, 1965)
- In Dokumentationen als er selbst
- Walt: The Man Behind the Myth (2001)
- Disneyland: Secrets, Stories and Magic of the Happiest Place on Earth (2007, veröffentlicht auf Walt Disney Treasures: Disneyland: Secrets, Stories and Magic)
- After the Fair: The Legacy of the 1964-65 New York World's Fair (2014)
American Experience Staffel 28 Folge 2: Walt Disney Part 2 (2015)
- The Whimsical Imagineer: The Story of Rolly Crump (2016)
- The Enchanted Secrets of Disneyland Vol 1 (2016)
- Foolish Mortals (2017)
- What About Our Life? Folge 12
- The Imagineering Story Staffel 1 Folge 1 The Happiest Place on Earth (2019)
- The Imagineering Story Staffel 1 Folge 2 What Would Walt Do? (2019)
- Bosko and the Rebirth of Tiki (2020)
- Autopsie Spezial: Die letzten Stunden von (Autopsy: The Last Hours of) Staffel 11 Folge 19 Walt Disney (2020)
- Behind the Attraction Folge 2 Haunted Mansion (2021)
- Behind the Attraction Folge 8 It's a Small World (2021)
- The Land Series: Adventureland (2021)
- Ken Forsse: Come Dream with Me Tonight Part I (2022)
- Ken Forsse: Come Dream with Me Tonight Part II (2022)
- The Land Series: New Orleans Square (2022)
- The Land Series: Frontierland (2023)
Besonderer Dank[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
- Walt: The Man Behind the Myth (2001)
- Die Geistervilla (The Haunted Mansion, 2003)
- Geistervilla (Haunted Mansion, 2023, ihm gewidmet)
Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
- Rolly Crumps Homepage
- Rolly Crump auf D23
- Rolly Crump in der IMDB

- Rolly Crump in der Wikipedia (englisch)
Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
- Rolly Crump und Jeff Heimbuch (2012). „It's kind of a cute story“, Bamboo Forest Publishing, ISBN 978-0985470647
- ↑ 1,0 1,1 1,2 1,3 „Chapter 2: Growing up“
- ↑ „Rolly's Acknowledgements“
- ↑ 3,0 3,1 3,2 3,3 3,4 3,5 3,6 „Chapter 3: Starting At Disney“
- ↑ „Chapter 4: Disneyland“
- ↑ 5,0 5,1 5,2 5,3 5,4 „Chapter 5: Moving To WED“
- ↑ 6,0 6,1 6,2 „Chapter 6: The Haunted Mansion“
- ↑ 7,00 7,01 7,02 7,03 7,04 7,05 7,06 7,07 7,08 7,09 7,10 7,11 7,12 7,13 7,14 7,15 „Afterword“
- ↑ 8,0 8,1 8,2 „Chapter 11: Museum Of The Weird“
- ↑ 9,0 9,1 9,2 „Chapter 7: Adventureland Bazaar“
- ↑ 10,0 10,1 10,2 10,3 10,4 „Chapter 8: The Enchanted Tiki Room“
- ↑ 11,0 11,1 11,2 11,3 11,4 11,5 11,6 11,7 11,8 „Chapter 9: The 1964 – 1965 New York World's Fair“
- ↑ „Chapter 12: Tomorrowland Re-Design 1967“
- ↑ „Chapter 25: Walt“
- ↑ „Chapter 14: Supervising Art Director At Disneyland“
- ↑ 15,0 15,1 „Chapter 13: Disney On Parade“
- ↑ 16,0 16,1 16,2 „Chapter 15: Walt Disney World“
- ↑ „Chapter 22: Design 27“
- ↑ „Chapter 16: Circus World“
- ↑ „Chapter 17: Knott's Bear-y Tales At Knott's Berry Farm“
- ↑ 20,0 20,1 „Chapter 19: Steve Wynn“
- ↑ 21,0 21,1 21,2 21,3 „Chapter 18: Back At Disney“
- ↑ „Chapter 20: The Cousteau Society“
- ↑ „Chapter 21: Oman“
- ↑ „Chapter 23: Other Theme Parks“
- ↑ „Chapter 24: Recent Work“
- ↑ „Chapter 26: Life Reflections“
- Mouseplanet.com
- ↑ 1,0 1,1 1,2 Jim Korkis (18.07.2012). „Jiminy Cricket Is No Fool“. mouseplanet.com
- ↑ Jim Korkis (24.11.2010). „Walt’s Journey to Oz“. mouseplanet.com
- ↑ 3,0 3,1 Jim Korkis (25.05.2022). „Sixty Years Ago: Disneyland 1962“. mouseplanet.com
- ↑ 4,0 4,1 4,2 Jim Korkis (15.09.2021). „The Enchanted Tiki Room 1963“. mouseplanet.com
- ↑ Jim Korkis (12.11.2020). „Books That Influenced Disney“. mouseplanet.com
- ↑ 6,0 6,1 Jim Korkis (22.09.2021). „The Birds of the Enchanted Tiki Room“. mouseplanet.com
- ↑ Wade Sampson (07.05.2008). „The History of it’s a small world“. mouseplanet.com
- ↑ Jim Korkis (05.10.2021). „It’s A Small World 1966“. mouseplanet.com
- ↑ Jim Korkis (01.03.2017). „Disneyland 1967 Part One: Pirates of the Caribbean“. mouseplanet.com
- aus anderen Quellen
- ↑ „Rolly Crump“. wikipedia.org, abgerufen am 18.12.2025
- ↑ 2,0 2,1 2,2 2,3 2,4 2,5 2,6 2,7 2,8 Mike Barnes (13.03.2023). „Rolly Crump, Famed Disneyland Designer, Dies at 93“. hollywoodreporter.com
- ↑ 3,0 3,1 Linnea Crowther (14.03.2023). „Rolly Crump (1930–2023), Disneyland designer“. legacy.com
- ↑ 4,0 4,1 „Rolly Crump: Biography“. imdb.com
- ↑ 5,00 5,01 5,02 5,03 5,04 5,05 5,06 5,07 5,08 5,09 5,10 Todd Martens (13.03.2023). „Rolly Crump, Disney designer who helped define the look of Disneyland, dies at 93“. latimes.com
- ↑ „Rolly Crump“. d23.com
- ↑ 7,0 7,1 7,2 „Crump, Rolly“. d23.com/a-to-z
- ↑ 8,0 8,1 8,2 (06.05.2009). „Rolly Crump and Don Edgren Enshrined on Main Street, U.S.A.“ d23.com
- ↑ Korkis, Jim (29.07.2003). „The Early Multimedia World of Oz“. jimhillmedia.com
- ↑ Dave Smith (31.07.2015). „According to Jason Surrell in his Haunted Mansion book, ‚The moving bust illusion was one of [Imagineer] Rolly Crump’s so-called happy accidents. As part of their research and development for The Hall of Presidents [which had been going on since the late 1950s], Imagineers had created a mold of Abraham Lincoln’s face, an artificial life mask of sorts. One day Rolly and Yale [Gracey] happened to stroll past the backside of the face, and as they did so, realized that from the reverse angle, it appeared as though Honest Abe’s eyes were following their every move.‘“ d23.com/ask-dave
- ↑ „Captain Gore“. disney.fandom.com
- ↑ 12,0 12,1 „The Haunted Mansion“. wikipedia.org, abgerufen am 12.12.25
- ↑ „Museum of the Weird“. disney.fandom.com
- ↑ „A Preview of the Haunted Mansion“. d23.com
- ↑ „Mary Blair“. wikipedia.org, abgerufen am 12.12.25
- ↑ „Disney on Parade (stage show)“. wikipedia.org, abgerufen am 16.12.25
- ↑ ASN Staff (24.07.2023). „These eight habits could lengthen your life by decades“. nutrition.org
- ↑ 18,0 18,1 18,2 Justin Hermes (13.03.2023). „Disney Legend Rolly Crump Has Passed Away“. mickeyblog.com
- ↑ Chris Crump (18.06.2011). „Disney Dads: Chris Crump on Rolly Crump“. waltdisney.org
- ↑ thewaltcrew. thewaltcrew.tumblr.com
- ↑ Werner Weiss (05.03.2021). „The Wizard of Bras“. yesterland.com
- ↑ Werner Weiss (22.02.2013). „Book Review: It’s Kind of a Cute Story“. yesterland.com
- ↑ Jacqueline Logan (28.02.2024). „Imagineer Rolly Crump Honored on Newest Disney Cruise Line Ship“. disneyparksblog.com (archiviert)