Die Duckipedia wünscht allen Besuchern schöne Feiertage!

Tauschhändel

Aus Duckipedia
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Tauschhändel
Thievery Afoot
Erstveröffentlichung: Januar 1945
Entstehungsdatum: 26. August 1944
Storycode: W WDC 52-02
Story: Carl Barks
Zeichnungen: Carl Barks
Seiten: 10
Deutsche Übersetzung: Dr. Erika Fuchs
Deutsche Erstveröffentlichung: DDSH 91
Weiterführendes
Liste aller Comicgeschichten von Carl Barks
Infos zu Tauschhändel beim I.N.D.U.C.K.S.

Tauschhändel ist eine zehnseitige Comicgeschichte von Carl Barks aus dem Jahr 1944. Die Erstveröffentlichung folgte im Januar 1945 in den USA. In der Geschichte bekommt es Donald mit frechen Tauschratten zu tun.

Figuren[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Handlung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Donald ist ganz schön verwundert, als eines Tages Stücke seiner Raritätensammlung fehlen. Wo ist denn der Seestern hingekommen und wo der schöne ausgestopfte Ochsenfrosch? An deren Stelle liegen nun ein Uniformknopf und eine Fahrkarte. So eine Frechheit! Donald sucht überall nach dem Schuldigen und dabei verschwinden immer weitere Gegenstände und werden durch Krimskrams ersetzt. Donald büßt sogar seinen Hut ein und erhält dafür eine Himbeere. Als Donald ein Rattenloch erblickt, weiß er, dass er es mit einer Tauschratte zu tun hat. Ein besonders tückisches Tier scheint das zu sein, denn die Ratte entgeht allen Versuchen, von Donald gefangen zu werden. Nicht mal eine Mausefalle oder eine Rauchbombe bringen den gewünschten Erfolg. Schließlich versucht Donald sie mit Musik zu vertreiben, doch die Kinder legen versehentlich das „Rattenfängerlied“ auf und schon wimmelt es im Haus nur noch so von nagenden, tauschenden Ratten. Was zu viel ist, ist zu viel! Donald will die Handgranate aus dem Safe holen, doch die Ratten haben sie schon entwendet, genau wie den Kaufvertrag von Donalds Haus. Er will aber nicht hinnehmen, dass das Haus jetzt den Ratten gehört und holt Onkel Ottos Tuba hervor. Darin befindet sich – die Handgranate. Diese explodiert und die Ratten flüchten. Aber zurückgelassen haben sie ein zerstörtes Haus, das sofort zusammenbricht.

Hintergrund, Bedeutung und Analyse[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Tauschhändel ist einer jener Barks-Zehnseiter, in denen sich Donald mit verschiedenen Tieren auseinandersetzen muss, die am Ende meist den Sieg davontragen. Tauschhändel ist dafür ein gutes Beispiel: Donald glaubt, dass er seinem Gegner überlegen ist, immerhin handelt es sich ja nur um eine kleine Ratte. Aber jede Maßnahme, die er ergreift, führt ins Leere. Die Ratten handeln klarerweise ohne böse Hintergedanken, eher instinktiv, tun aber zufälligerweise genau das, was Donald als persönlichen Angriff auffasst. Die Geschichte steigert sich und wird auf beiden Seiten immer aberwitziger, bis aus der Kleinigkeit zu Beginn – also dem fehlenden Seestern – eine ausgewachsene Katastrophe wird, nämlich der Einsturz von Donalds gesamtem Haus. Diese Art der Storykonstruktion ist durchaus typisch für Barks.

Bereits in früheren Comics hatte Barks Donald mit verschiedenen Tieren aneinandergeraten lassen, etwa in Arturo der Affe oder in Der Falke Farragat. Aber diese Geschichten bieten nicht die gleichen Exzesse wie Tauschhändel und dort scheitert Donald in seinem Kleinkrieg gegen die Tiere auch nicht so kläglich wie hier. Diesbezüglich erinnert die Geschichte stärker an einige Cartoons, die Barks mitgeschrieben hat, etwa Window Cleaners, wo Donald es mit der Biene Spike zu tun bekommt. Barks schrieb 1968 in einen Brief: „Die Verderbtheit von Tieren, Maschinen und der Natur kannte ich in- und auswendig.“[1] In seinen vielen früheren Berufen hatte er kennengelernt, was mit Tieren alles schiefgehen konnte. Diesen Erfahrungsschatz steckte er nun in die Zehnseiter.

Als Tiere, mit denen er Donald aneinandergeraten lässt, suchte Barks die Amerikanischen Buschratten aus, die auf Englisch als „woodrat“, „pack rat“ oder „trade rat“ bekannt sind. Die letzten beiden englischen Namen beziehen sich auf die Angewohnheit der Tiere, begehrenswerte Objekte für ihre Nester zu stehlen. Besonders gerne haben sie glänzende Dinge. Zudem lassen sie das fallen, was sie gerade tragen, wenn sie auf etwas Neues stoßen, das sie mehr interessiert. Daher kommt die Wahrnehmung, dass die Ratten Gegenstände austauschen. Sie dringen auch in Häuser ein und entwenden Gegenstände, weshalb sie als Schädlinge gelten. Amerikanische Buschratten leben in den Wüsten und Steppen der westlichen USA sowie in Mexiko, aber auch in Wäldern an der Westküste, also damit in der Region, in der Barks lebte.[2] Barks griff damit sicherlich ein Problem auf, das er und seine Nachbarn oft erlebt hatten.

Barks verwendete diese Rattenart später in zwei weiteren Comics: Der Witz mit den Wüstenratten und Das große Tauschgeschäft. Dort machen die Ducks sich die Eigenheiten der kleinen Nager allerdings zunutze, um an einen Schatz zu gelangen, bzw. die Panzerknacker zu überlisten.

Einige weitere Aspekte der Geschichte fallen auf: Barks stellt hier detailliert das Haus der Ducks mit vielen Einrichtungsgegenständen dar. Während in früheren Comics noch viele Panels kaum Hintergrund hatten, ist dieser gut gefüllt und vermittelt so ein stimmiges Bild eines bewohnten, amerikanischen Einfamilienhauses in den 1940ern. Auffallend ist das Gewehr über dem Kamin, das sich in europäischen Häusern nicht finden ließe. Ein Gewehr an solch prominenter Position im Haus, jederzeit einsatzbereit, stellte Barks auch noch in späteren Comics dar, etwa in Jagdfieber von 1947. Zudem sind im Haus etliche Ziergegenstände zu sehen: schöne Krüge und Teller, Nippes, ein Lampenschirm, eine Bücherstütze in Form eines Elefanten, natürlich Donalds Kuriositäten sowie etliche Bilder an den Wänden, darunter ein trübsinniger Vogel. In der Stadt ist eine große Brücke zu sehen; eine ähnliche Brücke zeichnete Barks nur zwei Monate später in Wettlauf auf dem Eis.

Donald hat in diesem Comic nicht nur ein Gewehr zu Hause, sondern sogar eine Handgranate. Daran erkennt man den Einfluss des Zweiten Weltkriegs. Der Besitz von Handgranaten durch Zivilpersonen wurde in den USA erst 1968 definitiv gesetzlich verboten. Dass Donald eine solche zu Hause hat, ist dennoch stark überzeichnet.[3]

Die Kinder locken in der Geschichte hunderte Ratten mit dem „Rattenfängerlied“ an. Dies ist das erste Mal, dass Barks auf das Märchen des „Rattenfängers von Hameln“ zurückgreifen sollte. Diese Erzählung ist nicht nur im deutschsprachigen Raum, sondern v. a. auch in den USA beliebt und Barks dürfte sie sehr gemocht haben. Er verwendete das Märchen vom Rattenfänger als Anregung auch für die Geschichten Der Mäusefänger, Betörende Töne sowie für die nie von ihm fertiggestellte Geschichte Der Rattenfänger von Entenhausen, die später von Don Rosa und Daan Jippes vollendet werden sollte.

Tauschhändel ist, soweit bekannt, die einzige Geschichte aus den 1940ern, von der Originalskizzen überlebten. Demnach hat ein Leser der Tagesstrips einen Brief an Dell Publishing geschrieben und einen „Original strip“ angefragt. Danach erhielt er von Dell einen Al Taliaferro zugeschriebenen Strip. Später verkaufte der Leser diese zwei halben Seiten weiter, immer noch als Taliaferros Zeichnung deklariert, ehe sehr viel später den wahren Zeichner herausfand. Auf einer dieser Seiten zeichnete Barks zunächst lebendige Ratten, die Stichverletzungen tragen. Es ist dort zu erkennen, dass er die Ratten in Spielzeugratten änderte.[4]

Übersetzung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Übersetzung von Dr. Erika Fuchs orientiert sich relativ stark am Original und erlaubt sich nur einige Abweichungen. Die auffälligsten davon betreffen die viel stärkeren Kriegsbezüge bei Barks, die in der Übersetzung verständlicherweise fehlen. Bereits auf der ersten Seite sagt Donald: „I'll give the kids a blitzing for monkeyin' with my curios!“ (ungefähre Übersetzung: „Ich werde es den Kindern heimzahlen, dass sie mit meinen Kuriositäten Unfug getrieben haben!“). Das Wort „blitzing“ ist abgeleitet vom deutschen Wort „Blitzkrieg“, das damals in Folge des Krieges in aller Munde war und rasch in die englische Sprache Einzug fand.[5] Im Original tauscht die Ratte den Seestern gegen einen Knopf aus dem amerikanischen Bürgerkrieg aus. In der Übersetzung ist es lediglich ein Uniformknopf. Und als Donald die Ratte mit einer Rauchbombe vergiften will, ist das Original ebenfalls sprachlich deutlicher und brutaler, während Erika Fuchs Donalds mörderische Absicht etwas abmildert. Die Flaschen in Donalds Giftschrank sind im Original beschriftet und lassen „fly oil“ und „bug spray“ erkennen. Donald scheint also darauf vorbereitet, jedwedem Ungeziefer den Garaus zu machen. In der Übersetzung fehlen diese Beschriftungen.

Dafür gibt Erika Fuchs mehr Details, als es um die Bestimmung des Tieres geht, das Donalds Haus unsicher macht. Während Barks einfach nur „trade rat“ schreibt, muss die deutsche Fassung erst erklären, was Tauschratten überhaupt sind – diese sind einer deutschsprachigen Leserschaft sicher kaum bekannt. Auch das „Rattenfängerlied“ wird im Deutschen mit mehr Worten erklärt und der Beginn des Liedes von Donald zitiert. Der Text stammt von Johann Wolfgang von Goethe, die Melodie von Franz Schubert. Im Original bemerkt Donald nur, dass die Kinder eine Platte mit „The Pied Piper of Hamelin“ aufgelegt haben. Weiters gibt die Übersetzung an, dass die Tuba einst Onkel Otto gehörte. Diese Information findet sich im Original nicht.

Erika Fuchs verwendet zudem ein eher ausgefallenes Wort, nämlich Schurrmurr. Dieses bedeutet altes Gerümpel, ausrangierter Hausrat oder auch wertloses Zeug.[6]

Veröffentlichungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]