Donald Ault
Donald D. Ault (*5. Oktober 1942 in Canton, Ohio; †13. April 2019 in Gainesville, Florida) war ein US-amerikanischer Literaturwissenschaftler und Hochschullehrer. Er beschäftigte sich insbesondere mit dem englischen Dichter und Maler William Blake, dem Physiker Isaac Newton sowie dem US-amerikanischen Comiczeichner Carl Barks. Ault gilt als einer der Wegbereiter der akademischen Comicforschung (Comics Studies) in den Vereinigten Staaten. Er lehrte unter anderem an der University of California, Berkeley, der Vanderbilt University und der University of Florida.[1]
Leben und Ausbildung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
Donald Ault wurde am 5. Oktober 1942 in Canton im US-Bundesstaat Ohio geboren. Bereits in seiner Kindheit entwickelte er ein ausgeprägtes Interesse an Comics, insbesondere an den Donald-Duck-Geschichten von Carl Barks. Später studierte er englische Literatur und erwarb einen Doktorgrad (Ph.D.) an der University of Chicago, den er 1968 abschloss.
Neben der Literatur interessierte sich Ault für Mathematik, Physik, Philosophie und verschiedene wissenschaftliche Theorien. Diese interdisziplinäre Ausrichtung prägte seine spätere Forschung, in der er literarische Texte nicht isoliert betrachtete, sondern sie mit naturwissenschaftlichen, philosophischen und kulturellen Fragestellungen verband.[2][3]
Akademische Laufbahn[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
1968 begann Ault seine akademische Karriere als Dozent für englische Literatur an der University of California, Berkeley. Dort setzte er sich für die Erweiterung des traditionellen Literaturunterrichts ein und entwickelte Lehrveranstaltungen zur Populärkultur sowie zur Verbindung von Literatur und Philosophie.
Anschließend lehrte er an der Vanderbilt University, wo er sich für die wissenschaftliche Beschäftigung mit Comics und Animationsfilmen einsetzte. Die Aufnahme populärkultureller Werke in den universitären Lehrplan stieß damals teilweise auf Widerstand, da Comics häufig nicht als Gegenstand ernsthafter akademischer Forschung angesehen wurden.
1997 wechselte Ault an die University of Florida in Gainesville. Dort lehrte und forschte er bis zu seiner Pensionierung im Jahr 2014. Er trug maßgeblich dazu bei, die Comicforschung als eigenständiges akademisches Forschungsgebiet zu etablieren und Nachwuchswissenschaftler in diesem Bereich zu fördern.[4]
Forschung zu William Blake und Isaac Newton[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
Ein zentraler Schwerpunkt von Aults wissenschaftlicher Arbeit war das Werk des britischen Dichters und bildenden Künstlers William Blake (1757–1827). Ault untersuchte insbesondere das Verhältnis zwischen Blakes visionärer Weltanschauung und dem naturwissenschaftlichen Weltbild Isaac Newtons (1643–1727).
Sein erstes bedeutendes Buch, Visionary Physics: Blake’s Response to Newton, erschien 1974. Darin analysierte er Blakes kritische Auseinandersetzung mit den wissenschaftlichen und philosophischen Vorstellungen seiner Zeit. Das Werk trug wesentlich zur Blake-Forschung bei.
1987 veröffentlichte Ault Narrative Unbound: Re-Visioning William Blake’s The Four Zoas. Das Buch widmet sich Blakes komplexem, unvollendetem poetischem Werk The Four Zoas und zeichnet sich durch eine detaillierte Untersuchung seiner Struktur und Mehrdeutigkeit aus.[5][6]
Beiträge zur Comicforschung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
Neben seiner literaturwissenschaftlichen Arbeit beschäftigte sich Ault intensiv mit Comics, insbesondere mit den Werken des US-amerikanischen Zeichners Carl Barks (1901–2000), der für seine Donald-Duck- und Dagobert-Duck-Geschichten bekannt ist. Ault betrachtete Comics als eigenständige Kunst- und Erzählform, deren Bildaufbau, Perspektiven, Text-Bild-Verhältnisse und erzählerische Techniken eine ebenso sorgfältige Analyse verdienten wie literarische Texte. Er setzte sich dafür ein, Comics in universitären Lehrveranstaltungen zu behandeln und ihre kulturelle sowie ästhetische Bedeutung wissenschaftlich zu untersuchen.
Zu seinen wichtigsten Beiträgen auf diesem Gebiet zählen:
- Carl Barks: Conversations (2003): Ein von Ault herausgegebener Sammelband mit Interviews und Gesprächen mit Carl Barks und weiteren Gesprächspartnern. Das Buch dokumentiert Barks’ künstlerische Arbeit und seine Bedeutung für die Comicgeschichte.
- The Carl Barks Library: Ault wirkte als wissenschaftlicher Berater und Mitarbeiter an diesem umfangreichen Editionsprojekt mit, das die Donald-Duck- und Dagobert-Duck-Comics von Carl Barks dokumentierte.
- Comicforschung an Hochschulen: Durch seine Lehrtätigkeit und die Förderung junger Wissenschaftler trug Ault dazu bei, Comics als ernstzunehmenden Gegenstand akademischer Forschung zu etablieren.[7][8]
ImageTexT[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
Im Jahr 2004 gründete Ault gemeinsam mit Studierenden die wissenschaftliche Zeitschrift ImageTexT: Interdisciplinary Comics Studies an der University of Florida. Die Zeitschrift widmet sich der interdisziplinären Erforschung von Comics, Cartoons und visueller Kommunikation. Sie untersucht unter anderem die ästhetischen, historischen, gesellschaftlichen und kulturellen Dimensionen visueller Erzählformen. Ault war über mehrere Jahre als Gründungsherausgeber und General Editor tätig. Darüber hinaus initiierte er eine internationale Comic-Konferenz, die Wissenschaftler, Künstler und weitere Interessierte zusammenbrachte. Seine Arbeit an ImageTexT und der Aufbau entsprechender akademischer Strukturen gehörten zu seinen wichtigsten Leistungen für die Entwicklung der Comicforschung in den USA.[9]
Tod und Vermächtnis[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
Donald Ault starb am 13. April 2019 im Alter von 76 Jahren in Gainesville, Florida. Sein Tod wurde in der literaturwissenschaftlichen Gemeinschaft und insbesondere in der Comicforschung mit großer Anteilnahme aufgenommen.
In Nachrufen wurde sowohl seine wissenschaftliche Originalität als auch seine Rolle als Lehrer, Mentor und Förderer des wissenschaftlichen Nachwuchses hervorgehoben. Ault verband die Erforschung klassischer Literatur mit der Analyse populärkultureller Medien und trug dazu bei, die Grenzen zwischen traditioneller Literaturwissenschaft und Comicforschung zu überwinden. Sein Einfluss zeigt sich insbesondere in der weiteren Entwicklung der interdisziplinären Comicforschung sowie in der Arbeit der von ihm gegründeten Zeitschrift ImageTexT.[10]
Werke (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
- Visionary Physics: Blake’s Response to Newton. University of Chicago Press, 1974.
- Narrative Unbound: Re-Visioning William Blake’s The Four Zoas. Station Hill Press, 1987.
- Critical Paths: Blake and the Argument of Method. Mitherausgegeben mit Mark Bracher und Dan Miller, Duke University Press, 1987.
- Carl Barks: Conversations. Herausgegeben von Donald Ault, University Press of Mississippi, 2003
Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
- Donald Ault im Inducks
- Wikipedia-Eintrag über Donald Ault
- Archivierte Webseite von Donald Ault
- Universitätsseite Nachruf
- The Comics Journal über Donald Ault
- Encyclopedia über Donald Ault
Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
- ↑ https://en.wikipedia.org/wiki/Donald_Ault
- ↑ https://imagetextjournal.com/remembering-don-ault/
- ↑ https://stationhill.org/authors/donald-ault/
- ↑ https://www.tcj.com/on-don-ault/
- ↑ https://stationhill.org/authors/donald-ault/
- ↑ <https://stationhill.org/authors/donald-ault/
- ↑ https://www.ubcpress.ca/carl-barks
- ↑ https://www.tcj.com/on-don-ault
- ↑ https://imagetextjournal.com/remembering-don-ault/
- ↑ https://ijoca.blogspot.com/2019/04/rip-don-ault.html?